Servus Christian,

vielen Dank für deine Zeit. Soviel, wie du läufst, ist es wohl tatsächlich ein Privileg, dich nicht im Training oder bei irgendeiner Wüstendurchquerung anzutreffen. Ich habe mal gelesen, dass du in all den Jahren schon weit mehr als 150.000 Kilometer zurückgelegt hast. Das wäre rund viermal um den Globus entlang des Äquators. Bekommt  man da nicht in gewisser Weise Angst vor sich selbst, wenn man sich das mal vor Augen führt?

Angst vor mir selbst? Ja, das könnte durchaus sein. Dann nämlich, wenn ich mir keine Ziele mehr in meinem Leben definiere. Dann, wenn ich so wie viele der „normalen Menschen“ sagen würde: „Tja, das mache ich dann mal, wenn ich in Pension bin. Denn dann habe ich Zeit“.

Der Extremläufer Christian Schiester war so nett uns Rede und Antwort zu stehen
Der Extremläufer Christian Schiester war so nett uns Rede und Antwort zu stehen

Du bist mit Sicherheit schon zahllose Male auf den Wandel vom exzessiven Trinker hin zum Extremläufer angesprochen worden. Mich interessiert aber eher die psychologische Komponente. Im Grunde hat ja eine Suchtverlagerung stattgefunden. Würdest du dem zustimmen, dass Laufen für dich eine Sucht ist?

„Sucht“ bedeutet doch „suchen“! Und ich glaube, dass jeder Mensch nach seiner Zufriedenheit sucht. Also sind wir alle süchtig. Jeder auf seine ganz eigene Art und Weise.

Die Geschichte, als du in der Wüste fast gestorben wärst. Hast du keine Familie (Frau, Kinder), die an diesem Punkt sagt, Christian lass’ gut sein, manchmal ist weniger mehr! Du musst dir nix mehr beweisen?

Aber sicher. Jeder normal denkende Mensch würde an dieser Stelle den „Hut drauf werfen“. Nur macht es gerade das für mich aus. Aus jeder Situation zu lernen, mit Erfahrung besser zu werden und auf keinen Fall leichtsinnig zu sein. Doch vergessen wir alle, dass es ein Ende für jeden von uns gibt – wir leben, als würde es dieses Ende nicht geben. Ich lebe nach dem Sprichwort: „Der Mensch stirbt, so wie er gelebt hat“.

An diesen Punkt angeknüpft, du hast schon 2011 das Buch „Sich die Welt erlaufen“ herausgebracht. Hand aufs Herz, wo nimmst du heute noch Motivation her für neue Ziele? Irgendwann hat man doch alles gesehen. Oder findest du immer noch Herausforderungen?

Es gibt genug zu erleben auf dieser Welt. Neue Herausforderungen? Mit Sicherheit die größte Aufgabe ist es, sich immer wieder mal neu zu erfinden. Also mein größter Traum ist gerade wahr geworden.

www.facebook.com/sailandrun

https://www.youtube.com/watch?v=BTFrpvyDXxM

(Anmk. der Redaktion: Hinter den Links findet Ihr die aktuellen Projekte von Christian)

Du wirst im kommenden Jahr 50. Gut die Hälfte dieser Zeit hast du mit Extremsport verbracht. Merkst du eigentlich in irgendeiner Form, dass dein Körper diesen zweieinhalb Jahrzehnten körperlicher Belastung langsam Tribut zollt. Oder fühlst du dich fit wie eh und je?

Die Frage ist doch eher, wie fühlt sich der „Normale 50er“? Ständig beim Arzt, im Krankenstand, auf Kuraufenthalt, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, wartend auf den wohlverdienten Ruhestand, seine Frau klagend dass das Leben an ihm vorbeigezogen ist??? Nein - ich habe viel erlebt, meinen Körper gefordert und „verbraucht“. Da kann es da und dort schon mal krachen. Aber ich kann zu mir sagen, dass es Sinn gemacht hat. Denn Beine sind zum Laufen da!

Du hältst ja inzwischen auch zahlreiche Vorträge und Seminare. Kannst du dir vorstellen, in absehbarer Zukunft dem Extremsport den Rücken zu kehren und dich ganz auf die Vermittlung und Weitergabe von Wissen und Erkenntnissen zu konzentrieren?

Nein – das allein ist mir zu wenig. Ich werde auch weiterhin Abenteuer erleben und erst danach davon erzählen. Solange es mein Körper zulässt und mein Wille mich dazu antreibt. In Zukunft allerdings verbunden mit einem völlig anderem Zugang zum Erlebnis, zur Natur und zum Sinn des Lebens.

Wo wir schon beim Vermitteln von Tipps und Erkenntnissen sind. Ledlenser, einer deiner Partner hat ein schönes Projekt ins Leben gerufen. In diesem wird dazu aufgerufen, die schönste Nachtlaufstrecke zu finden und zu küren. Da du ja bei deinen Ultraläufen zahlreiche Nächte durchlaufen hast und das zumeist in recht unwegsamen Gelände, kann man schon sagen, dass du auf diesem Feld mit Sicherheit ein Experte bist. Gerade jetzt, wo die Tage kürzer und die Nächte wieder länger werden, überlegen doch sicher einige, sich passendes Equipment in Form von Stirnlampen etc. zu besorgen. Hast du da eventuell für unsere Leser einen brauchbaren Tipp, worauf sie besonders achten müssen. Unterscheiden sich Lampen für Anfänger von denen für fortgeschrittene Läufer?

Die Frage die sich stellt ist, ob es um Training oder Wettkampf geht. Ich ziehe es vor im Training eher eine schwere Lampe mit großem Akku und gewaltiger Leuchtstärke zu tragen wie zum Beispiel die XEO 19R. Im Training ist es doch am Wichtigsten, dass nachts für den Läufer „die Sonne aufgeht“, um sicher und entspannt durch die Gegend laufen zu können. Beim Wettkampf dagegen zählt jedes Gramm. Da kommt die SEO 7R zum Einsatz. Sie ist die beste Wahl für einen schnellen Läufer und sein Rennen! Leicht und leistungsstark.

Ich hoffe, unsere Leser berücksichtigen deine wertvollen Ratschläge. Christian, nochmals vielen Dank für deine Zeit. Wir wünschen dir für deine Zukunft alles Gute.

 

Mehr Infos zu dem Projekt "Nachtläufer gesucht" findet ihr hier.

Fotocredits: Ledlenser