Servus Jan,

schön, dass wir dich interviewen dürfen.

Du bist ja nicht nur ein sehr erfolgreicher Läufer gewesen (Anm. d. R. Jan Fitschen hat im Oktober 2015 seine aktive Leistungssportkarriere beendet), sondern seit vergangenem Jahr auch Buchautor.

War es schon immer dein Wunsch gewesen, ein Buch zu veröffentlichen?

Tatsächlich war es nie mein Wunsch ein Buch zu veröffentlichen. Aufsätze waren in der Schule nicht so mein Lieblingsthema. Aber durch Berichte auf meiner Homepage, Artikel in Laufzeitschriften und Ähnliches was einfach sehr viel Spaß gemacht hat, kam dann die Idee zu diesem Buch zustande. Und „Wunderläuferland Kenia“ ist tatsächlich ein Projekt, das mich mit unheimlich viel Freude und Begeisterung erfüllt hat. Als es endlich fertig war, war ich unendlich stolz. Spannenderweise bin ich auch genau in diesem Moment in Kenia und schaue über den Lake Nakuru Nationalpark. Ich bin gerade dort unterwegs mit meinem ersten Freizeitläufer-Team, mit dem wir ein Laufcamp veranstalten. Bald geht’s dann weiter nach Iten in die Heimat der besten Langstreckenläufer der Welt.

 

Hat dich das immer so sehr gewurmt, oder warum versuchst du, in deinem Buch „Wunderläuferland Kenia“ der Frage auf den Grund zu gehen, warum Kenia immer wieder solche Spitzenläufer hervorbringt.

Ja, gewurmt hat’s mich in der Tat, dass die Kenianer immer schneller gelaufen sind als ich. Ich kann nicht gut verlieren. Das ist vielleicht auch ein Grund dafür, dass ich immer so viel trainiert habe und umso lieber gewonnen habe. Deswegen hab’ ich auch immer wieder darüber nachgedacht, warum die Kenianer so schnell laufen? Und eben nicht nur, warum laufen sie so schnell, sondern vor allem: was kann man sich als Läufer davon abgucken? Und das habe ich dann versucht, oder ich glaube ich kann sogar behaupten es ist mir gelungen, das auf eine humorige Art und Weise sehr vielfältig und amüsant in diesem Buch rüberzubringen.

 

Wenn man sich deine Karriere so anschaut, kann man schon sagen, dass du ursprünglich mal auf den Mittelstrecken zu Hause warst und dich dann immer weiter gesteigert hast. Bis du schließlich 2012  beim Berlin Marathon mit etwas über 2:13 schnellster Europäischer Läufer warst. Vielleicht als Tipp für alle Hobbyläufer mit Ambitionen: Braucht man die Erfahrung auf den kürzeren Distanzen, um dann die Tempohärte auch auf der Marathonstrecke zu haben?

Ich bin tatsächlich früher als Mittelstreckler gestartet und das hat mir auch sehr geholfen - vor allem bei taktischen Meisterschaftsrennen wie der Europameisterschaft 2006. Ich würde sagen den Endspurt kann ich, aber auch, dass man das für richtige Langstrecken wie z.B. beim Marathon, nicht unbedingt braucht. Sicherlich ist es von Vorteil, eine gewisse Grundschnelligkeit zu haben, aber wenn man nicht gerade in Richtung 2:10 h oder sogar noch schneller rennen möchte, kann man auch mit einem „Dieselmotor“ einiges ausrichten. Langstreckenlauf ist einfach nach wie vor Fleißarbeit. Wer also nicht die super Grundschnelligkeit hat kann trotzdem, und das war auch immer mein Vorteil, mit entsprechendem Ehrgeiz einiges erreichen.

 

Jeder Leistungssportler blickt nach seiner aktiven Karriere immer mal wieder zurück, manchmal auch ein bisschen wehmütig.

Welches sind die Momente, die man dann mit ein wenig Abstand vermisst? Oder anders gefragt: Solche Momente, wie du sie 2006 als Goldmedaillengewinner bei der Europameisterschaft mit diesem unglaublichen Finish erleben durftest, vermisst du es nicht manchmal, dieses Adrenalin, welches dann in einem ausgeschüttet wird?

Ja, tatsächlich geht es mir an manchen Tagen so. Dass meine aktive Karriere vorbei ist finde ich aber auch manchmal großartig. Diese Reise die ich z.B. hier gerade mache, die könnte ich nicht so entspannt machen wie ich’s jetzt tue, wenn ich noch aktiv wäre. Sonst wäre ich wieder im Stress und hätte das Gefühl, ich müsste ganz viel trainieren und wäre immer unter Strom. Jetzt bin ich entspannt und kann mich vernünftig um mein Team kümmern, das ist super.

Was mir natürlich schon fehlt, sind genau diese Momente wie nach der Europameisterschaft, wo ich ganz oben auf dem Treppchen stand. Man ist vorher irre nervös, steht unter Anspannung und fühlt sich hundeelend. Aber wenn’s dann vorbei ist und man einfach glücklich ist dass alles so gut geklappt hat - diese absolute Euphorie, diese Begeisterung, dieses totale High, das vermisse ich tatsächlich so ein bisschen - oder ganz schön sogar. Aber da sucht man sich im Leben dann andere Highlights, die einen mindestens ähnlich stark freuen - manchmal sogar noch ein bisschen mehr. Wie meine Tochter, die jetzt gerade knapp über ein Jahr alt ist, das ist einfach ein sehr schönes Gefühl und macht mich sehr stolz und glücklich.

 

Aber sei mal ehrlich, wenn du dann, wie gerade beim Berlin Marathon so dicht dran bist (Anmk. Jan war für den Kamera Hersteller GoPro über den gesamten Lauf an der deutschen Spitzenläuferin Katharina Heinig dran) und dann auch so eine Spitzenzeit aus nächster Nähe miterlebst, dann vergießt man doch innerlich die eine oder andere Träne?

Ja, ganz locker neben der Katharina Heinig 3:30er Schnitt mit der GoPro – tut mir leid, schaff ich nicht, hab ich auch nicht geschafft (lacht). In Berlin bin ich ein paar Kilometer neben ihr hergelaufen und hab gefilmt. Die Idee war, und das hat auch ganz gut geklappt, dass ich genau wie viele andere, Betreuer, Fans und so weiter mit der U-Bahn quer durch die Stadt düse. Um so die Katha an möglichst vielen Punkten der Stadt zu sehen, zu erreichen, anzufeuern und eben auch zu filmen. War sehr, sehr spannend, aber auch sehr anstrengend, denn jeder der einmal als Begleiter bei einem Marathon dabei war, der weiß, da ist echt Action angesagt. Aber natürlich wäre ich in diesem Moment lieber mitgerannt. Doch das viele Training, das dafür notwendig ist, vergisst man ja im Nachhinein auch schnell. Aber nee, das war schon gut so und wunderbar.

 

Dein Schwerpunkt liegt ja jetzt bei Vorträgen und Seminaren. Hast du das Gefühl, dass du mit dem Hintergrund als ehemaliger Leistungssportler eine ganz besondere Glaubwürdigkeit besitzt? Also Menschen besonders gut erreichst?

Ja, mittlerweile halte ich tatsächlich Vorträge und Seminare. Nicht nur meine Eventreise „Wunderläuferland Kenia“, also die Reise zu meinem Buch, sondern eben auch viele Motivations-Vorträge und ähnliches. Ich glaube schon, das ich besonders gut und besonders viel dazu erzählen kann und das auch gut bildlich darstellen kann. Denn gerade als Leistungssportler führt man ein Leben der Extreme. Eine kleine Erkältung macht ruck zuck  das Training von einem halben Jahr oder mehr für einen Marathon oder eine große Meisterschaft einfach zunichte. Dann ist man am Boden zerstört und weiß überhaupt nicht, wie man da herauskommen soll. Ich denke, da sind viele Situationen auf den Alltag übertragbar. Man muss bei großen Herausforderungen, ob beruflich oder privat immer wieder Krisen überwinden um sein Ziel letztendlich zu erreichen.

Wenn man sich vorstellt, als ich in Berlin an der Startlinie stand, beim Berlin-Marathon, und wusste, ich muss jetzt gleich mit fast 20km/h 42 km durch die Hauptstadt rennen, hatte ich nicht die leiseste Ahnung, ob das funktioniert. Auch während des Rennens hatte ich immer wieder diese Zweifel mit denen man dann fertig werden muss. Letzen Endes hab ich’s ja doch oft geschafft, diese ganzen Zweifel und diese ganzen Krisensituationen sehr gut zu meistern und über mich hinauszuwachsen. Genau das gebe ich in den Vorträgen weiter, versuche das auch nicht Bier-Ernst, sondern irgendwo mit einem Schmunzeln zu machen. Dass die Leute eben was für sich selber mitnehmen aber natürlich auch, ganz wichtig, gut unterhalten werden. Das macht mir sehr viel Spaß und gerade das merkt man auch, glaube ich.

 

Mal was ganz anderes. Die Tage werden kürzer, der Herbst steht vor der Tür und vielen Hobby und Feierabendläufern stellt sich jetzt schon die bange Frage: Wenn es früh dunkel wird, laufe ich mit Licht oder hangele ich mich an den paar Strecken entlang, die permanent beleuchtet sind. Viele Waldwege oder Parks sind ja eben nicht ausreichend beleuchtet. Kannst du da was empfehlen?

Als ich angefangen habe mit laufen war’s wirklich immer so: verdammt der Winter kommt, jetzt gibt’s eigentlich nur noch die eine Runde auf der man laufen kann – mit wenig Verkehr und guter Beleuchtung. Das fand ich ganz schrecklich! Laufen bedeutet für mich auch immer Freiheit und dort zu laufen wo’s mir passt, mal im Wald, mal im Park, mal auf der Straße. Dank der LED-Stirnlampen die es mittlerweile gibt hat man diese Chance. Man kann im Winter einfach trainieren wo und wann es einem passt – man braucht nur die entsprechende Stirnlampe.

 

Gibt es da für unterschiedliche Läufertypen auch unterschiedliche Produkte oder ist das eine reine „Geschmackssache“?

Ich hab verschiedene Modelle. Eine die ich eher für gut befestigte Waldwege oder auch mal im Park nehme. Die ist super leicht aber dafür auch nicht ganz so hell. Die hat 90 Lumen, das reicht aber völlig aus. Auf der Rückseite dann noch ein kleines Blinklicht, damit ich eben auch gut gesehen werde wenn z.B. in der Stadt auch noch mal was los ist. Wenn ich wirklich so richtig durch den Wald laufe hab ich eine mit etwas mehr Power, ca. 330 Lumen. Da kann ich dann auch den Lichtkegel und die Lichthelligkeit verstellen. Also ich hab tatsächlich je nach Lust, Laune und Trainingseinheit die passende Stirnlampe. Ich kann auch nur jedem Läufer empfehlen sich mindestens eine, am besten zwei verschiedene Modelle zuzulegen und einfach mal zu testen. Da bin ich auch sehr froh, dass ich mit Ledlenser einen Partner gefunden hab, der auch noch bei mir aus der Region kommt sodass ich die Leute auch noch alle persönlich kenne. Wenn ich mal eine Idee hab hat man sehr, sehr kurze Wege und ein prima Team am Start, das diese Sachen dann entwickelt.

 

Da sollten wir es an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass einer deiner Partner, eben jener Lampenhersteller Ledlenser in Zusammenarbeit mit uns ein schönes Projekt ins Leben gerufen hat, welches die schönste Nachtlaufstrecke prämiert. Der Gewinner darf dann mit dir trainieren. Dies sollte ja Anreiz genug sein, um dort mitzumachen.

Ja, und das find ich richtig gut. Dieses Gewinnspiel, das wir machen freut mich auch sehr, zumal es eben für die Gewinner dabei nicht nur darum geht, mit mir jetzt irgendwo mal ’ne Runde zu trainieren, sondern es geht richtig auf Tour nach Portugal. Unter anderem ist dann auch Florian Neuschwander (run with the flow) mit dabei. Ein super Typ, den ich schon seit 10-15 Jahren kenne von verschiedenen Wettkämpfen, Trainingslagern usw. Mit ihm war ich jetzt im Frühjahr erst in Kappstadt für ein Fotoshooting für Ledlenser. Und dieses Trainingswochenende, Spaßwochenende mit den Gewinnern wird auch ein riesen Ding, da freu ich mich total drauf. Coole Sache wenn man Partner hat, die so etwas ermöglichen und wenn man da teilnehmen darf. Denn das ist das Gute, ich bin schon ein Gewinner, ich bin auf jeden Fall dabei.

 

Na, dann steht dem erfolgreichen Trainingslauf im Dunkeln wohl nix mehr im Wege.

Jan, wir danken dir für deine Zeit und wünschen dir für die Zukunft alles Gute.

Ich wünsche euch auch alles Gute und vielen Dank für die schönen Interviewfragen. Ich guck jetzt noch mal, ob ein paar Zebras hier an diesem wunderbaren Platz in dem Nationalpark vorbei kommen, und heute Nachmittag zieh ich dann die schnellen Laufschuhe an und jag mein Team durch die kenianischen Hochlandberge.