Der Velothon in Berlin ist für viele Radfahrer ein Highlight im Jahr – vor allem für die Freizeit- und Hobbysportler. Mittendrin zwischen Höllentempo, frenetischem Jubel und Bestzeiten: Klaus Bechtold und Micha Klotzbier.

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Das GPSies-Team mit Gesche, Paul, Klaus, Kristin und Micha (v. l. n. r.)

Berlin schläft noch, die Straßen sind leergefegt. Vereinzelt torkeln müde Partygänger, große Sonnenbrillen auf den Nasen, aus Clubs und Bars. Es ist der Sonntagmorgen des neunten Berliner Velothons und die ersten Sonnenstrahlen kitzeln angenehm auf der Haut. Ein Rennen für Jedermann – so wird das Event angepriesen – und ein Höhepunkt im Sportkalender der Hauptstadt.

Um 7 Uhr schlummert auch der Tiergarten, Start und Ziel des Velothons, noch ruhig. Nebenan wartet die Fanmeile auf die Abendspiele der Europameisterschaft. „Ganz schön früh“, sagt auch GPSies-CEO Klaus Bechtold. Aber von Müdigkeit keine Spur: Voller Elan und samt Familie geht es beim Velothon nach 2015 zum zweiten Mal in Folge an den Start.

„Peng!" Um Punkt 7.40 Uhr ertönt ein Schuss: Am Start treten die ersten Jedermänner kräftig in die Pedalen und sausen im Schatten der Siegessäule los. 60 Kilometer quer durch Berlin wollen sie überwinden. Die ersten Zuschauer klatschen bereits am Rand – rund 250.000 kommen über das gesamte Velothon-Wochenende.

„10-9-8-7..." Die nächsten 40 Minuten ertönen nun immer wieder Countdown und Startschuss: Wie beim Marathon gibt es Wellenstarts, es können natürlich nicht alle rund 10.000 Teilnehmer gleichzeitig losfahren. Gleich ist auch Bechtold dran. „Auf den breiten Straßen Berlins und auf der Havelchaussee zu heizen“, freut er sich schon, „das ist außergewöhnlich und macht einfach Riesenspaß!“

Der GPSies-Chef steigt schwer verkabelt auf sein Trekkingrad – Sicherheit geht bei ihm vor Geschwindigkeit – und checkt ein letztes Mal seine Vielzahl von Gadgets: Das Smartphone kommt in die Halterung am Lenker, die Powerbank unter dem Sattel. Eine Kamera ans Handgelenk, eine an die Lenkstange des Sohnes. Gefilmt werden soll vor allem Ex-Koloss Micha Klotzbier für sein Abnehm-Blog. „Durch die WLAN-Verbindung kann ich beide Kameras mit meinem Smartphone ein- und ausschalten“, erklärt Bechtold.

Dann geht es endlich los für die Hobby-Truppe. Kurz darauf bricht bereits zum ersten Mal frenetischer Jubel aus. Keine Spur mehr von Berliner Müdigkeit. Im Affenzahn und mit grimmigen Mienen rasen die Spitzenleute auf der Straße des 17. Juni gen Ziellinie, da wird bis zum letzten Meter gekämpft – und durchaus mal gedrängelt. Nach nur anderthalb Stunden zischt Enrico Busch, immerhin schon Jahrgang 1959, mit einem Höllentempo als Erster über die Ziellinie. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit: Stolze 42,8 Stundenkilometer.


Im Video: Micha Klotzbier berichtet vom Velothon

Nachzügler sind da schon entspannter unterwegs, halten sich an den Händen oder ballen die Faust. Erschöpft sind sie alle – und bejubelt werden sie immer. Fans halten Poster in die Höhe, lassen Rasseln lautstark kreisen, hämmern mit den Fäusten auf die Werbebanner an den Absperrungen. Dazu schallt Partymusik aus den Lautsprechern und man versteht an der Rennstrecke kaum noch sein eigenes Wort.

„Du hast es geschafft" – „Starkes Rennen" – „Herzlich Willkommen im Ziel für den Teilnehmer aus Schweden" – Nur der Ansager übertönt mit seinem Mikrofon jedes Gerufe. Jeder Fahrer trägt einen Chip bei sich, so dass er stets weiß, wer ins Ziel rollt.

Knapp eine Stunde nach dem Sieger hat es auch die GPSies-Crew endlich geschafft: Mit einer respektablen Zeit von 2 Stunden und 18 Minuten. Frau und Sohn waren sogar noch schneller unterwegs. „Was für ein tolles Rennen“, jubelt Bechtold noch direkt im Ziel und holt erst einmal tief Luft. „Wer hätte das von uns gedacht: Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 29 Stundenkilometern“.

„Mann, war das geil", pflichtet ihm auch Micha Klotzbier bei. „Von der Kondition her war es super, ich hatte viel mehr Angst als nötig war." Auch Michas Freundin Kristin hatte anfangs ein wenig Bammel. „Ich dachte, dass wir vom Besenwagen eingeholt werden", sagt sie lachend. „Aber jetzt bin ich echt stolz auf unsere Zeit". Die beiden Amateur-Radler gingen auch gleich mit einer Puls-Challenge an den Start. Micha gewinnt mit 122 Schlägen pro Minute gegenüber Kristins 143 und strahlt vor Glück: „Sie muss sich jetzt einen Monat lang zuckerfrei ernähren." Ein alkoholfreies Bier zur Erholung gönnte sich dennoch die komplette Truppe.

Für GPSies und Klaus Bechtold war es ein rundum gelungenes Radrennen. Nächstes Jahr will der Technik-Freak aber mit mehr Rennrad und weniger Gadgets starten. „Ich musste einigen Mitradlern beteuern, dass ich kein E-Bike benutze, aber ich weiß nicht, ob sie mir geglaubt haben“, lacht er über seine komplizierte Hardware-Ausrüstung. „Während der Fahrt kam ich mir fast schon wie eine Kamera-Drohne vor.“