Mit dem Rad kommt man lässig und günstig von A nach B. Wenn man nicht aufpasst, kann es aber ziemlich teuer werden. Bußgeld, Führerscheinentzug, Diebstahl: Wir haben 10 Tipps, wie du dir den Ärger ersparst.

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1. Rote Ampeln: Bis zu 180 Euro



Wer mit dem Fahrrad über eine rote Ampel flitzt, muss mit ordentlichen Strafen rechnen. 60 bis 120 Euro kostet es, wenn die Ampel erst eine Sekunde zuvor auf Rot gesprungen war. Dauerte die rote Phase schon länger, sind 100 bis 180 Euro zu zahlen. Auf jeden Fall: Ein Punkt in Flensburg.

2. Geisterfahrer: 30 Euro auf dem falschen Radweg



Fahrradfahrer dürfen eigentlich immer auf der Straße fahren – es sein denn, der Radweg wird durch ein blaues Schild ausgezeichnet, dann ist er verpflichtend. Aufgehoben ist die Regelung, wenn der Radweg unbenutzbar ist (Vereisung, überwuchert, falsch parkende Autos). Dann darf man auf die Straße ausweichen. Das Radeln auf dem Gehweg oder dem Radweg in der falschen Richtung kostet laut Bußgeldkatalog bis zu 30 Euro.

3. Handy: In der Regel stecken lassen



Telefonieren und tippen lenkt vom Straßenverkehr ab und die Reaktionszeit bei Gefahrensituationen verlängert sich. Ein Handy in der Hand hat auf dem Fahrrad nichts zu suchen. Mit nur einer Hand am Lenker und bringt man sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr. 25 Euro kostet ein Verstoß. Auch der ADFC rät: "Hände weg vom Handy. Im Straßenverkehr braucht man alle Sinne."

Hilfreich können Handys schon sein: zum Navigieren. Allerdings sollte man die Strecke vor der Fahrt programmieren – und dann ab in die zugehörige Lenkerhalterung mit dem Handy.

4. Beleuchtung: Bleibt es dunkel, wird es teuer



Bis 2013 waren Dynamos Pflicht, nun erlaubt das Gesetz auch ebenbürtige akku- und batteriebetriebene Leuchten. Die Beleuchtung muss eine Nennspannung von sechs Volt aufbringen, aber hier drückt die Polizei meist ein Auge zu. Falls keine Beleuchtung vorhanden ist, winkt jedoch der Bußgeldkatalog: 20 Euro sind mindestens fällig, 35 Euro wenn es durch den Verstoß zu einem Unfall kommt. Die Licht-Regel gilt übrigens auch tagsüber, aber Sicherheitsexperte Huhn beruhigt: "Am Tag wird Licht nicht kontrolliert.”

Tipp: Akkuleuchten ohne lästigen Batteriekauf. Immer mitnehmen (man weiß ja nie, bis wann man schlussendlich unterwegs ist) – und damit es nicht geklaut wird: vergiss nicht es abzunehmen wenn du das Rad abstellst.

5. Bier, Radler und Co: Wer sein Rad liebt, der schiebt



"4,6 Prozent der Fahrradunfälle geschehen unter Alkoholeinfluss”, sagt Roland Huhn, Sicherheitsexperte des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). "Bei Kraftfahrzeugen ist der Anteil nur halb so hoch.” Unfälle von berauschten Radlern hätten außerdem schlimmere Folgen als bei nüchternen Fahrern: "Da gibt es deutlich mehr Gesichtsverletzungen.”

Autofahrer werden schon mit 0,5 Promille zur Kasse gebeten – doch wie sieht das bei Radfahrern aus? Die Grenze liegt recht hoch. Nur wer mit 1,6 Promille und mehr angehalten wird, muss mit ernsten Konsequenzen rechnen: Drei Punkte in Flensburg, Geldstrafe (meist ein Nettomonatsgehalt), eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU, der sogenannte Idiotentest), Fahrverbot oder sogar Führerschein-Entzug. Wer aber fahrauffällig unterwegs ist, kann schon mit 0,3 Promille mit einer Strafanzeige rechnen.

Huhn sagt: "Der ADFC ist dafür, dass der Gesetzgeber zusätzlich zur ‚absoluten’ Grenze von 1,6 Promille einen Gefahrengrenzwert von 1,1 Promille als Ordnungswidrigkeit einführt."

6. Bremsen, Klingel, Reflektoren: Was brauche ich wirklich?



Wie viele Reflektoren hat dein Fahrrad? Und haben deine alten Bremsklötze nicht langsam ausgedient? Gib zu: Du hast keine Ahnung.

Ein straßenverkehrstaugliches Fahrrad hat zwei unabhängige Bremsen, eine am Vorder- und eine am Hinterrad. Dazu eine fest angebrachte Klingel (Hupe zählt nicht) und Reflektoren vorn (weiß), hinten (rot), an den Pedalen (gelb) und in den Speichen (alternativ Reflexstreifen an den Reifen). Reflektoren sollen zur Sicherheit regelmäßig gesäubert und abgenutzte Bremsklötze ausgetauscht werden.

7. Verkehrstauglich: Kostenlose Checks von Polizei und ADFC



Gib es zu, du hast dein Fahrrad nicht mehr durchchecken lassen, seit du es gekauft hast. Tatsächlich lohnt sich eine Sicherheitsprüfung – vor allem, wenn das Rad ewig im Keller stand. Sitzen alle Schrauben fest, greifen die Bremsen richtig und sind Reifen, Felgen und Räder noch in Ordnung?

"So ein Check kostet 50 bis 60 Euro", sagt ADFCler Huhn. Wer Geld sparen will: Vereine wie der ADFC oder die Polizei bieten immer mal wieder regional organisierte, kostenlose Fahrrad-Checks an.

8. Reparaturen: Sich selbst helfen



Reparaturen nerven – auch die kleinen. Man braucht Geschick und das richtige Werkzeug. Aber keine Sorge – oft machen die Experten an den Prüfungsterminen dein Fahrrad gleich wieder fit wenn nur kleine Mängel vorliegen. Und nicht mal für größere Reparaturen musst du zwingend zum Fahrradladen. Der ADFC, Universitäten und gemeinnützige Vereine bieten vor allem in größeren Städten kostenlose Selbsthilfewerkstätten an. "Machen kann man dort, was man sich selbst zutraut”, so ADFC-Sicherheitsexperte Huhn. Ehrenamtliche Mitarbeiter helfen mit dem vor Ort verfügbarem Werkzeug.

9. Kinder: Auf das Alter kommt es an



Kinder gehören zu den anfälligsten Verkehrsteilnehmern. Ihre Räder müssen die gleichen Sicherheitsstandards erfüllen wie die von Erwachsenen, sobald eine Sattelhöhe von 635 mm vorliegt. Aber Straße und Radweg sind für Kinder bis zum achten Lebensjahr tabu. Zwischen acht und zehn dürfen sie auf beiden fahren.

Im Kindersitz darf übrigens nur ein maximal siebenjähriges Kind mitfahren. Die Mitnahme auf Stange oder Gepäckträger kostet ein Verwarnungsgeld von fünf Euro. Nicht nur für Kinder ...

Bußgeldbescheide gehen an Kinder ab 14 Jahre – die Eltern müssen zahlen.

10. Fahrrad-Diebstahl: Vorbeugen, versichern, codieren



Jeden Tag werden laut ADFC rund tausend Fährräder in Deutschland gestohlen, "die schlimmsten Städte sind die mit vielen Radfahrern wie Münster oder Freiburg." Das häufigste Motiv: Verkauf der Beute. Und die Chance, das Rad jemals wiederzusehen? "Die Aufklärungsquote liegt unter zehn Prozent”, sagt Sicherheitsexperte Huhn, "in Großstädten bei 5 Prozent.”

Oft reicht schon ein unachtsamer Moment – und das Rad ist weg. Diebstahl ist nicht nur für das Portemonnaie ärgerlich. Der ideelle Wert des Rades ist manchmal unbezahlbar.

Unsere Tipps:


  • Schließe dein Fahrrad in geschlossenen Räumen oder, wenn unterwegs, nicht an abgelegenen Plätzen und immer am Rahmen, Rad und Fahrradständer an.

  • Schließe eine Versicherung ab, denn auch das beste Schloss kann geknackt werden.

  • Codiere dein Fahrrad bei der Polizei mit individuell nummerierten und schwer entfernbaren Aufklebern. Einen Fahrradpass inklusive Codierung, Foto, Rahmennummer, Name und Anschrift des Besitzers gibt es sogar als App. Huhn erklärt: "Codierte Fahrräder werden erfahrungsgemäß seltener gestohlen und häufiger wiedergefunden, Zahlen gibt es aber leider nicht.”



Von David Bedürftig