Im Süden Münchens erstreckt sich ein Radfahrerparadies, das durch den Forstenrieder Park, Perlacher Forst und Grünwaler Forst verläuft. 261 Routen sind dort ausgewiesen: für Familien- und Freizeitradler, aber auch für Mountainbiker sowie Rennradfahrer.

Unsere gemütliche Tour für Freizeitradler beginnt im Stadtteil Unterhaching. Durch schattigen Wald und eine schöne Landschaft führt sie hinab zum Ziel, dem Starnburger See. Wir fahren überwiegend auf asphaltierten Straßen, doch auch ein paar Kieselwege sind dabei.

Die Route umfasst knapp 70 Kilometer und wir brauchen für eine Strecke gute zwei Stunden. Man überwindet insgesamt rund 200 Höhenmeter: Bei Schwaige im Forstenrieder Park ist der höchste Punkt erreicht. Gelegenheitsradler können die Tour also auch bequem fahren.



Die Stationen unserer Tour:

  • Perlacher Forst

  • Großhesseloher Zug- Rad- und Fußgängerbrücke

  • TC Großhesselohe

  • Waldwirtschaft

  • Forstenrieder Park

  • Leutstetten und Starnberger See

  • Fazit


Quer durch den Perlacher Forst

Vom Perlacher Forst selbst sehen wir nur einen kleinen Ausschnitt. Er ist fast 14 Quadratkilometer groß und hat einen über 100-jährigen Baumbestand. Radfahren im Forst ist komfortabel, da er durchgängig beschildert ist und die Wege gut ausgebaut sind. Außerdem radelt es sich bequem auf etwa 550 Höhenmetern, ohne dass große Steigungen zu bewältigen sind. Wir fahren gen Westen gut sieben Kilometer durch den Forst.



Über die Großhesseloher Brücke

Unsere Route führt uns dann über die Isar und den Isar-Werkkanal. Dafür benutzen wir die Großhesseloher Brücke, eine Eisenbahnbrücke, über die die Züge der Bayerischen Oberlandbahn verkehren. Radfahrer und Fußgänger bewegen sich unter den Gleisen ein Geschoss tiefer. Dort, zwischen dem Zickzack der Stahlrahmen verläuft ein breiter und komfortabler Weg.

Die Brücke und vor allem der Blick, der sich von ihr auf München und das Isartal bietet, sind berühmt: Künstler und Filmemacher haben ihn festgehalten und wir können das bestätigen: Die Aussicht ist fantastisch!


Starnberger See bei Sonnenuntergang, Abendhimmel mit Freifläche.

Abstecher beim TC Großhesselhohe

Unser Ziel in Großhesselohe ist die dortige Waldwirtschaft. Doch bevor wir wenige Minuten nach der Brückenüberquerung dort vorfahren, führt unser Weg noch am Großhesseloher Tennisclub vorbei. Er spielt auf nationaler und internationaler Ebene vorne mit und stellt seit 1948 südbayerische, bayerische und deutsche Meister. Der Tennisclub hat 930 Mitglieder und legt besonderen Wert auf seine Jugendförderung. Wer also in der Gegend lebt und sich für Tennis begeistert, sollte sich den Verein mal genauer anschauen.

Viele bekannte Namen des Tennissports legten beim TC Großhesselhohe das Fundament für ihre Karriere oder spielten für die Top-Mannschaften des Vereins, darunter Sylvia Hanika, Tommy Haas und Carsten Arriens.

Aktuell hat der TC Großhesselhohe Florian Mayer (ATP 50) in seinen Reihen. Der Bayreuther schlägt für den TC in der 2. Bundesliga auf und will den Aufstieg in die Bundesliga festmachen. Mayer ist aktuell der drittbeste deutsche Spieler und hat 2016 die Gerry Weber Open in Halle gewonnen.

Pause in der Großhesseloher Waldwirtschaft

Schon kommen wir im Biergarten der Waldwirtschaft Großhesselohe in der Georg-Kalb-Straße an. Man sagt, dass deren lauer Biergarten der bayerischen Vorstellung vom Paradies sehr nah kommt. Im Halbschatten unter dem Laubdach alter Kastanien kann man einerseits eine entsprannte Brotzeit einleigen. Alternativ werden in der Gastwirtschaft von freundlichen Bedienungen in schmucken Dirndln Obazda, Bren'z, Schmankerln vom Grill und kühle Maß vom Spaten Bier serviert: Ruhe, Gemütlichkeit und eine große Auswahl an Gerichten erwarten uns. Mit etwas Glück kann man sogar noch etwas Live-Musik (Jazz) erleben.

Gen Süden im Forstenrieder Park

Gestärkt und ausgeruht führt unser Weg weiter nach Westen, durch Großhessenlohe und Warnberg hindurch in die Kühle des Forstenrieder Parks. Das Naherholungsgebiet erstreckt sich im Süden Münchens bis zum Starnberger See. Es wird von der Autobahn 95 in der Mitte durchtrennt. Rund 43 Kilometer zum Teil asphaltierte Wege sind ausgewiesen, die sich sowohl für Wanderungen, als auch fürs Radfahren bestens eignen.

Zwischen Autobahn und der Bundesstraße 11 im Osten befindet sich auf 2067 Hektar und damit etwa der Hälfte des Parks der Wildpark Forstenried. Dort besteht die Möglichkeit, Wild zu beobachten - vor allem Wildschweine sind hier oft unterwegs. Wir legen dort aber keinen Stop ein, sondern unterqueren auf dem Geräumt (Forstweg) die Autobahn und folgen dem Max-Josef-Geräumt gen Starnberg.

Für den aufmerksamen Radfahrer und Wanderer ist der Park nicht nur eine grüne Oase mit Spielplatz, Waldlehr- und Trimmpfad. Diverse Landmarken weisen auf seine Geschichte hin: Herzog Ludwig von Bayern-Ingolstadt kaufte 1399 den „Payrbrunner Forst“. Ab dem 15. Jahrhundert war der Park das bevorzugte Jagdgebiet der Wittelsbacher. Erst 1918 ging die Jagdtradition der bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige zu Ende. Viele der Wege und Straßen, die wir heute benutzen, sind alte Reittrassen, die den Jagdgesellschaften zum Vergnügen dienten.

Auf unserem Weg in Richtung Süden kommen wir am Eichelgarten vorbei, zwischen Buchendorf und der A 95 gelegen. Hier wachsen uralte Eichen auf einer Waldwiese, dazwischen eine Vielfalt an blühenden Pflanzen wie Arnika oder Großem Wiesenknopf - ein wertvoller Lebensraum für Flora und Fauna. Der Eichelgarten ist ein Rest der Hütewälder aus dem 16. und 17. Jahrhundert, wo Bauern ihr Vieh zum Weiden hintreiben durften.



Der Eichenwald liegt auch an der Via Julia, jene wichtige Römerstraße, die die Verbindung zwischen Augsburg und Salzburg darstellte und die quer durch den Forstenrieder Park verläuft als Achse zwischen Gauting, Buchenhain und Grünwald. Sie wurde etwa 50 nach Christus gebaut. Heute ist sie in Teilen ein Forstweg und man braucht schon etwas Vorstellungskraft, sie sich als wichtige Verkehrsachse des römischen Reichs vorzustellen.

Entlang der Via Julia finden sich römische Hügelgräber. Im Forstenrieder Park gibt es aber deutlich ältere Hügelgräber aus der Bronze- und Hallstattzeit. Sie sind heute noch als bis zu drei Meter hohe Erhebungen zu erkennen.

Wer besonders geschichtsinteressiert ist, kann noch einen Abstecher zur Kultstätte Keltenschanze bei Buchendorf unternehmen. Die Wälle sind klar erkennbar.

Anfahrt nach Leutstetten und Ankunft am See

Je mehr wir uns Leutstetten nähern, desto hügeliger wird die Strecke. Die Abfahrt erfolgt auf geschwungenen, schattigen Wegen. Schon erreichen wir die Altostraße. Wer noch Energie hat, kann ab der Schlossgaststätte zum Ruinenplatz Karlsburg wandern - eine Strecke von etwa einem Kilometer. Der Ort ist möglicherweise Geburtsort von Karl dem Großen. Viel zu sehen außer dem möglichen Grundriss der Burg gibt es allerdings nicht mehr.

Weiter geht es die Altostraße entlang. Wir halten uns links und überqueren die Würm. Vorbei am Gelände des Golfclubs rollen wir die letzten Kilometer hinab zu unserem Ziel, dem Starnberger See.

Fazit

Wer im Raum München eine angenehme, mittellange Tour ohne zu große Steigungen und dazu auf gut ausgebauten Wegen fahren will, der ist mit dieser zweistündigen Strecke (einfacher Weg) bestens bedient. Unser Highlight: Der Forstenrieder Park spendet auch an warmen Tagen kühlen Schatten und eine grandiose Atmosphäre.