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Servus Florian, oder sagen wir lieber Flo.
Vielen Dank , dass du dir die Zeit nimmst.


Der Weg dorthin, wo du heute bist, war mit Sicherheit kein Leichter. Du kommst ja eigentlich von den klassischen Mittel- und Langstrecken, bis du gewechselt hast und deinen ersten Ultratrail 2011 absolviert und gleich gewonnen hast. Obwohl du ja vorher schon recht gut warst, hat es aber nicht für die absolute Spitze gereicht. Vielleicht eine provokante These, aber hast du zu den Ultradisziplinen gewechselt, um wirklich erfolgreich sein zu können?

Tach erstmal. Ich habe noch gar nicht richtig zu den Ultradisziplinen gewechselt. Ich laufe auch immer noch kurze Distanzen und bin noch nicht auf eine bestimmte Distanz festgelegt. Ich laufe, weil ich laufen will und weil es meine grösste Leidenschaft ist und nicht um allein des Erfolges willen. Klar ist es super geil, dass ich durch den Wings for Life World Run 2015 einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht habe, aber in erster Linie geht es mir darum jeden Tag meinem liebsten Hobby nachgehen zu können. Auch im Ultrabereich muss man hart trainieren um bei den großen internationalen Rennen vorne dabei sein zu können. Ich bin auf einem guten Weg, aber noch lange nicht da wo ich sein will. Das Training für Ultradistanzen und Trails empfinde ich jedoch als wesentlich abwechslungsreicher als das klassische Bahntraining. Die Motivation fällt mir hier wesentlich leichter. Auch im Hinblick auf mein Alter sehe ich mein Potential langfristig klar im Ultrabereich ;-).

Was wir ja wirklich toll finden, ist die Tatsache, dass du, egal wo du dich gerade befindest, über Social Media fragst, wer zufällig gerade Lust hat, ne Runde mit dir zu laufen. So sind mal in München rund 60 Leute zu einem spontanen Lauf zusammengekommen. Ist es das, was dich gerade so populär macht. Diese Nahbarkeit, mit der die Leute sich absolut identifizieren können?

Ja das kann gut sein. Ich mache sowas eher spontan. Gerade wenn ich unterwegs bin, will ich dann Abends oftmals einfach nur ein wenig die Beine bewegen. Das Tempo ist mir dann egal. Da freue ich mich dann nicht alleine laufen zu müssen und ein paar andere Läufer kennenzulernen.
Dass ich dabei so viele Menschen begeistern kann hätte ich selbst nie gedacht. Auch dass mir so viele Leute schreiben, dass ich sie zum Laufen motiviere freut mich echt total.

Lustig, eigentlich sollte man ja denken, dass Ultraläufer Eigenbrödler schlechthin sind.
Du scheinst gerade völlig in deiner Mitte zu sein und bei dir angekommen. Man sieht keine Verbissenheit, nur puren Spaß. Natürlich neben der Tatsache, dass du rein äußerlich immer noch ein Exot auf der Laufstrecke bist. Was war denn das schönste Kompliment, was dir mal jemand (natürlich auf das Laufen bezogen) gemacht hat. (bezogen auf Motivation, Ehrgeiz, etc)?

Nach meinem Sieg beim Wings for Life Worldrun 2015 in Darmstadt, meldete sich am nächsten Tag ein alter Freund aus dem Saarland. In der Jugend liefen wir gemeinsam bei Bezirksmeisterschaften. Er erzählte mir, dass er mittlerweile Familie hat und seit Jahren keinen Meter mehr gelaufen ist. Als er dann meinen Lauf im Fernseher live verfolgte, war er davon so motiviert, dass er sofort im Anschluss die Laufschuhe geschnürt hat und 5km laufen ging. Das hat mich total gefreut zu hören.

Flo Neuschwander

Du bist ja ein absolut gelungenes Beispiel dafür, dass man wirklich erfolgreich ist und Anerkennung bekommt für das, was man tut, wenn man sich nicht verbiegen lässt und knallhart sein Ding durchzieht und dabei nie den Spaß und Leidenschaft verliert.
Ist ja im Grunde auch ein super Thema für Manager Motivationsseminare. Könnte sich der tätowierte Laufexot Florian Neuschwander vorstellen, nach seiner aktiven Karriere (oder sogar noch parallel dazu) Managern im Anzug Tipps zu geben, wie sie ihre Ziele am Besten erreichen? Oder sagst du, nix für mich, Schuster, bleib bei deinen Leisten!

Das ist ehrlich gesagt nichts für mich. Ich motiviere gerne, aber nicht bewusst. Für mich wäre es nichts vor Managern zu stehen und tolle Motivationssprüche raus zu kloppen. Entweder ich motiviere die Leute mit dem was ich mache oder nicht. Natürlich bleib ich wie du so schön sagst bei meinem Leisten. Ich will laufen und ich denke, dass mein ganzes Leben auch später noch irgendwie direkt mit laufen zu tun hat. Wie genau das werden wir dann sehen. Irgendwas cooles fällt mir da schon ein. Hauptsache es macht Spass und ich bin mit Leidenschaft dabei.

Arbeitest du eigentlich noch in Frankfurt im Laufshop oder hast du bei deinem weltumspannenden Programm für den Alltag im Shop keine Zeit mehr?

Doch ich arbeite immer noch dort. Wir haben dort auch jede Woche einen Lauftreff, den ich damals mit Jost, dem Inhaber des Ladens ins Leben gerufen habe. Das macht mir nach wie vor großen Spaß. Wir starten pünktlich vor dem Shop. Jeder, der gerade in Frankfurt ist ist herzlich willkommen mitzulaufen. Wir haben 6 Tempogruppen für jedes Tempo die passende. ;-) Also sehen wir uns dann mal Montags?

Gerade war Berlin Marathon und du hast für einen guten Zweck Max Herre in unter 4 Stunden (3:48) durchs Ziel gebracht. Wie kam es zu dieser „Zusammenarbeit“ ?
Du bist jetzt 35 und im besten Alter für Ultraläufe. Welche Ziele hat sich ein Florian Neuschwander noch für die nächsten Jahre gesetzt?

Max Herre hat sich bei mir gemeldet und mich kontaktiert. Er hatte vorher einen Artikel über mich in der süddeutschen Zeitung gelesen. Daraufhin trafen wir uns vor dem Marathon schon mal in Berlin um uns kennenzulernen und eine kleine Runde locker zu laufen. Max ist super entspannt und super nett. Ich mag ihn sehr und er mich denke ich auch. Die Chemie hat direkt gestimmt und so kam es, dass ich ihn bei seinem ersten Marathon unterstützt habe und ihn gut ins Ziel brachte. Wir sind immer noch in Kontakt. Ich würde mich sehr freuen ihn bald wieder zu treffen. Vielleicht gibt es ja bald ein Wiedersehen irgendwo anders bei einem gemeinsamen Läufchen? ;-) Ziele habe ich für die nächsten Jahre noch viele. Ich will meine persönlichen Big 5 Ultraläufe laufen. Das sind: Two Oceans Marathon in Südafrika, Comrades Marathon in Südafrika, Leadville 100 in Colorado, Western States 100 in Kalifornien und ganz gegen Ende dann den Ultra Trail du Mont Blanc. Es gibt aber auch noch so viele andere geile Rennen. Mal sehen… vielleicht schaffe ich es ja ganz vorne mitzulaufen!? Das wäre toll, aber kein muss.

Mal was anderes, Ledlenser, einer deiner Partner, hat ja ein schönes Projekt aufgesetzt, in dem in Zusammenarbeit mit uns, GPSIES, neben all den Tausenden von Laufstrecken, die in dem Portal bereits hochgeladen sind, die schönste Nachtlaufstrecke prämiert werden soll. Du bist einer der Testimonials bei dieser Aktion.
Da ja jetzt die dunkle Jahreszeit beginnt, hast du für unsere Leser bestimmt den einen oder anderen Tipp, gerade wenn jemand noch nicht so geübt ist im Laufen abseits der beleuchteten Strecken? Also auf was sollte er besonders achten, gerade auch beim Kauf einer solchen Lampe?

Ja das ist eine ganz coole Aktion. Mein Gesicht hängt überall in Deutschland auf Plakaten usw. Hahahaaaa… Ich kann mich schon selbst nicht mehr sehen! ;-) Aber man kann ein cooles Trainingswochenende mit Jan Fitschen und mir nächstes Jahr im März in Lissabon gewinnen. Das mitmachen lohnt sich also. Die NEO Stirnlampe von Led Lenser ist eher was für Strassennachtläufer oder für Läufer, die im Park unterwegs sind. Auch hier am Main kann man im dunkeln sehr gut mit der Lampe laufen. Wenn du eher richtig im dunklen Gelände unterwegs bist, dann muss schon etwas mehr Lumen und Helligkeit her. Ich nutze auf dunklen Trails im Wald daher die SEO7R. Die hat mit 220 Lumen deutlich mehr wuuuuums. Im Winter will ich auch mal mit meinem Crosser durch den Wald heizen. Dafür hab ich mir ein kleines Flutlicht zugelegt: Die XEO19R. Hat 2000 Lumen…. Hahhahaaaa! Da wird der Wald richtig hell und die Wildschweine bekommen Angst wenn ich angeballert komme.

Ich hoffe, die Leser werden deinen Tipp beherzigen. Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Zukunft.