Draussen zu sein bedeutet immer, sich im Territorium von Mutter Natur zu bewegen. Einige machen das sehr behutsam, viele gedankenlos und wenige benehmen sich „aber auch wie die sprichwörtliche Axt im Walde. Dabei ist es weder schwer noch aufwendig, beim Wandern, Radeln und Co. auf den Umweltschutz zu achten. Der folgende Artikel erklärt dir, wie es geht und warum „Umweltschutz“ sehr viel mehr als nur Müll umfasst.

Three friends camping with fire on mountain at sunset
Three friends camping with fire on mountain at sunse

1. Das bisschen Kompost

Dass man nicht die Plastikverpackung seines Energieriegels nach dem Verzehr einfach so in die Gegend feuert, weil Kunststoffe teilweise Jahrhunderte bis zur vollständigen Zersetzung benötigen, hat sich glücklicherweise bei den Allermeisten festgesetzt. Allerdings denken nach wie vor viele nach der Maxime „verzehrbar = kompostierbar“ und haben kein Problem damit, die Reste ihrer Unterwegs-Mahlzeit dort zu hinterlassen, wo sie sie eingenommen haben.


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Dabei haben jedoch auch Nahrungsmittel einige dicke Haken für Mutter Natur:

  • Je höher die Lage, desto langsamer der Kompostierungsprozess

  • Das Verrotten erzeugt um den Müll herum einen erhöhten Stickstoffanteil im Boden und gefährdet so Pflanzen, die ein nährstoffarmes Klima benötigen

  • Wildtiere schnappen sich die Überreste – können aber manche Inhaltsstoffe gar nicht verdauen und sterben oft daran.


Damit gilt, dass man die Überreste von absolut allem, was man unterwegs verspeist, nur in der Mülltonne entsorgen sollte – auch Apfelschalen und Co. Lediglich der Rest Leitungswasser(!) aus der Trinkblase ist in Ordnung. Wer damit in heissen Sommermonaten den Pflanzen am Wegesrand einen Schluck spendiert, macht nichts falsch.

2. Mit Bello querfeldein

Viele nutzen die Natur, um ihrem vierbeinigen Liebling ein paar Stunden des Auslaufs ohne Leine zu gönnen. Zweifellos ein guter Gedanke, gerade für Stadthunde. Aber wer Bello abseits des Weges leinenlos laufen lässt, sorgt auch (oft unbemerkt) für etwas Anderes: Er macht die wilden Bewohner der Natur panisch und verscheucht sie längerfristig.

Klar, ein Hund, der einen Hasen oder ein Reh sieht und diesem, seinem Jagdinstinkt folgend, hinterherrennt, sorgt natürlich ziemlich offensichtlich dafür, dass die Wildtiere gestresst werden. Immerhin ist ein in ihren Augen gefährliches Raubtier hinter ihnen her. Allein aus diesem Grund haben manche Kantone im Frühling, wenn die Wildtiere Nachwuchs bekommen, eine generelle Leinenpflicht eingeführt. Die sollte man auch tunlichst einhalten, denn generell setzt es dann Bussen und im schlimmsten Fall haben Jäger auch das Recht, herrenlos jagende Hunde abzuschiessen.

Doch selbst wenn Bello immer an der Leine bleibt oder so aufs Wort hört, dass er keinen Tieren hinterherjagt, sollte man es sich mit ihm dennoch verkneifen, abseits der Wege unterwegs zu sein. Denn eines kann man den Doggies nicht abtrainieren: das Markieren. Der Uringeruch wirkt auf die Wildtiere wie ein Elektrozaun und sorgt ebenfalls dafür, dass sie sich in ihrem Revier nicht mehr sicher fühlen – selbst wenn der Hund längst wieder zuhause ist.

 

3. Wildsau im Wald

Schon gewusst? Sich korrekt im Wald zu bewegen, ist eine der elementarsten Handlungsweisen des persönlichen Umweltschutzes noch vor Dingen wie „Heizung runterdrehen“ oder „Mülltrennung“. Aber warum? Ganz einfach: Jeder Wald und sei er noch so klein, ist ein unglaublich diverses Ökosystem, in dem etwa drei Viertel unserer heimischen Flora und Fauna zu finden sind. Aber dieses System kann schon durch kleinste Störungen aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Leider wirken sich viele dieser Störungen aber erst aus, wenn man längst den Wald wieder verlassen hat. Aus diesem Grund gibt es dort einige generelle Verhaltensregeln, die man immer einhalten sollte – selbst wenn gerade die Holz-Erntemaschinen rollen:

  • Ruhig sein. Keine Musik abspielen, denn das stört die Tiere. Lieber dem Blätterrauschen und Zwitschern zuhören und die majestätische Ruhe geniessen.

  • Keine Äste abbrechen und bloss nichts in die Baumrinde ritzen. Beides sind tiefe Wunden im Baum, die das Eindringen von Bakterien und Pilzen erleichtern und ihn zerstören können.

  • Jede zertretene Pflanze ist eine zu viel – und kein Lebewesen gehört nicht in den Wald. Daher sollte man nur auf ausgewiesenen Wegen bleiben, immer darauf achten, wohin man tritt und nichts mutwillig zerstören, nur weil es eklig, stachelig oder giftig ist.

  • Viele Waldtiere sind nachtaktiv. Bis auf wenige Ausnahmen ist wildes Biwakieren in der Schweiz erlaubt. Wenn man es aber tut, sollte man sich so rücksichtsvoll wie nur möglich verhalten. Keine lauten Geräusche, keine stark riechenden Mahlzeiten und kein offenes Feuer.


Wer sich all diese Regeln nicht merken kann, kann es mit folgender Eselsbrücke versuchen: Hinterlasse im Wald nichts Anderes als Fussabdrücke und nimm nichts mit ausser Fotos und Erinnerungen.

 

4. Abkürzungen machen (angeblich) nichts

Eine scharfe Wegkehre irgendwo in der Natur. An praktisch jeder davon sieht man die Spuren derer, die einfach abgekürzt, sprich über das Stückchen Grün zwischen den beiden Wegen gelaufen oder gefahren sind. Warum sieht man diese Spuren so gut? Weil sie nachhaltige Veränderungen in der Landschaft sind.

Um das zu erklären, muss man den weltberühmten Schmetterlingseffekt bemühen, nach dem der Flügelschlag dieses Insekts anderswo einen Sturm auslösen kann:

  1. Für den einzelnen Wanderer oder Radler ist eine solche Abkürzung keine grosse Sache, sie spart einfach ein paar Meter.

  2. Andere Wanderer sehen dies oder bemerken zumindest durch das umgebogene Gras, dass dort schon vor ihnen einer abgekürzt hat und tun es ebenfalls.

  3. Jeder Schritt knickt mehr Grashalme um, verdichtet den Boden darunter ein Stück mehr.

  4. Irgendwann ist das Gras weg, der Boden so hart wie Asphalt.

  5. Dann kommt ein Regenguss. Statt auf diesen paar Quadratmetern Boden zu versickern, läuft das Wasser über die verdichtete Abkürzung und ergiesst sich über den Weg und die angrenzenden Grünstreifen. Je nach Fläche und Stärke des Schauers können das hunderte zusätzliche Liter sein.

  6. Mit genügend Zeit kann diese zusätzliche Wassermasse dort Hänge unterspülen, weiteren Boden abtragen und so irgendwann vielleicht zu einem Hangrutsch beitragen, der „richtige“ Schäden in der Landschaft nach sich zieht.


Nein, diese Verkettung von Ereignissen ist nicht übertrieben, sondern durchaus real und wurde in dieser Form schon mehrfach in der Natur beobachtet. Daher sollte die Massgabe lauten: Wenn Wege vorhanden sind, diese auch nutzen und selbst für den kleinsten Abstecher nicht davon abweichen.


Closeup runner feet running outdoors on the green grass.

Fazit

Auch wenn die Natur zu unserem Genuss da ist und wir uns in ihr bewegen sollten, heisst das nicht, dass man schon alles richtig macht, wenn man dabei keinen Zivilisationsmüll hinterlässt und nicht mit Motorfahrzeugen durchfährt. Jeder Wanderer, Jogger, Velofahrer muss gerade wegen seiner vermeintlich naturschonenden Fortbewegungsweise noch viel stärker im Hinterkopf behalten, dass selbst diese Freizeitaktivitäten langfristig schwere Schäden in der Natur anrichten können, wenn man sich falsch verhält.

 

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